Griechisch

Es ist nie zu spät - Altgriechisch für Eltern

Es ist mittlerweile in der Fachwelt der Klassischen Philologie bekannt, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Latein lernen wollen, stetig sinkt, so auch die Zahl derer, die Altgriechisch lernen und in diesem Sinne auch die Zahl der Gymnasien, die Altgriechisch in ihrem Profil anbieten und in ihrem Schulprogramm verankert haben[1].

Diese Entwicklung ist auch an der Christlichen Schule Johanneum – Gymnasium – in Hoyerswerda festzustellen, an der ich seit 1992 Fachlehrer für Griechisch und Latein und seit 2005 Schulleiter bin. Ich denke, ich spreche für viele Altphilologen, dass das Herz eher für das Altgriechische schlägt, ohne jedoch dem Fach Latein seine Bedeutung abzusprechen. So habe ich mir als Fachlehrer (Bedeutung des Griechischen für die Schule als „Proprium“)[2] und als Schulleiter (Wettbewerbssituation und Profilbildung der Schule) darüber Gedanken machen müssen und wollen, was man nun tun könne, wenn man aufgrund der spiegelbildlichen Situation in der Gesellschaft zur „Schule an sich“ die Entwicklung wahrnimmt und darauf zu agieren und reagieren versucht[3].

Die Frage ist nun, wie man erreichen kann, wenigstens den Status quo wahren zu können, wenn sich nur wenige oder dann gar keine Schüler mehr für das Erlernen des Altgriechischen interessieren. Im Frühjahr eines jeden Jahres finden in unserem Johanneum traditionell die Schnupperstunden im Profil und auch der Elterninformationsabend der 7. Klassenstufe statt, an dem wir das Profil Naturwissenschaften plus und das sprachliche Profil mit Spanisch und/oder Griechisch vorstellen[4], das von der 8. bis zur 10. Klasse belegt werden muss.

Also sind so auch die Eltern mit ins Boot zu nehmen, und zwar über diesen Elterninformationsabend hinaus. Eltern haben oft keine Vorstellung vom Griechischen. Was liegt nun näher, als einen Altgriechisch – Kurs für Eltern anzubieten, in unserer Schule und alle 2 – 3 Wochen im Umfang von 90 Minuten[5]. So bin ich dann auch in die Werbung gegangen, über persönliche Ansprachen oder über den Elternbrief, der in der Schulwoche vor allen Ferien in der Schulgemeinde veröffentlicht wird[6]. Der Griechisch - Kurs ist nicht nur eine Bereicherung der Eltern, sondern die Eltern dienen in der Schulgemeinde und auch in der Öffentlichkeit als Multiplikatoren. Es stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl der Eltern, denn wir sprechen im Johanneum immer von einer Schulgemeinde. Zehn Eltern haben sich zu einer Teilnahme entschlossen, von denen heute (nach über einem Jahr) noch 7 Eltern geblieben sind[7]. Die Zahl ist in jeder Sitzung variabel, da die Eltern auch beruflich sehr eingebunden sind.

Die Motivation war verschieden: zum einen ist die Motivation, in Ansätzen das NT in der Ursprache „lesen“ zu können, zum anderen möchte man die Lateinkenntnisse aus der eigenen Gymnasialzeit erweitern, weiterhin möchte man einen Einblick bekommen in die Kultur, Literatur und Philosophie des antiken Griechenlands.

Als Lehrbuch und Fundamentum dient ein relativ ungewöhnliches Buch, in dessen Konzeption und Einteilung ich mich ebenso einarbeiten musste[8]; ungewöhnlich deswegen, weil es von der methodischen und didaktischen Konzeption eines modernen Lehrbuches in Latein und Griechisch weit entfernt ist, wohl konzipiert für Liebhaber des Griechischen, deswegen gerade auch geeignet wegen des Einblicks und Überblicks in Kultur und Literatur europäischen Ursprungs. Ungewöhnlich, weil die Lern- und Zielgruppe Erwachsene sind, die mit einer anderen Erwartungshaltung an die Sprache herangehen und auch so zeigen, dass es ein lebenslanges Lernen gibt. Dies dient auch zur Vorbereitung von Exkursionen in Museen[9] und somit auch zur lockeren Vorbereitung einer individuellen Reise nach Griechenland[10].

Dieses Exponat zeigt die berühmte Szene des „Schulunterrichts“ auf einer attischen Schale (5. Jhrdt. v. Chr.)

Foto: privat

Dieses Exponat zeigt die berühmte Szene des „Schulunterrichts“ auf einer attischen Schale (5. Jhrdt. v. Chr.)

Das grammatikalische und syntaktische Lernpensum ist light gehalten: Deklinationsklassen, Präsens, Imperfekt und Aorist mit den semantischen Funktionen und deren Bedeutung in der Aspektlehre (linear und punktuell) sind der Fokus der Arbeit, um so auch die Funktionsweise der Sprache kenntlich zu machen.

In der Wortbildungslehre und im semantischen Bereich legen wir Wert auf die Ab- und Herleitung der Lehn- und Fremdwörter aus dem Griechischen.

In der Textarbeit – wenn es sich nicht um Einzelsätze handelt, die in die typisch griechische, syntaktische Strukturen einführen und sie einüben, - arbeiten wir mit bilingual aufbereiteten Texten, die mit Interpretationsfragen und Zusatztexten versehen sind und somit in die textuelle Arbeit einführen[11].

Der Altgriechisch – Kurs wird noch bis zum Ende des Schuljahres 2016/2017 durchgeführt. Wenn weiterhin Interesse bei den Eltern besteht, werde ich ihn auch im nächsten Schuljahr weiterführen wollen. Meine Wahrnehmung ist, dass man nicht aufgeben darf, die Bedeutung der antiken Sprachen in der Öffentlichkeit immer wieder hervorzuheben; das gilt sowohl für das Lateinische als auch besonders für das Griechische.

Empfohlene Literatur für Eltern und Interessierte:

1. Fernau, Joachim: Rosen für Apoll. Die Geschichte der Griechen, München und Berlin 2010 (12. Auflage)

2. Freely, John: Platon in Bagdad, Stuttgart 2012 (5. Auflage)

3. Köhlmeier, Michael: Das große Sagenbuch des klassischen Altertums, München 2013 (15. Auflage)

4. Weeber, Karl - Wilhelm: Hellas sei Dank! Was Europa den Griechen schuldet, München 2012

Günter Kiefer
Christliche Schule Johanneum


[1] Vgl. Anja Behrend (Rostock) – Matthias Korn (Leipzig): Schülerzahlen im Fach Latein und Entwicklungsperspektiven der Fachdidaktik, Broschüre 2016

[2] Auszug aus unserem Schulprogramm: Alte Sprachen sind Zugang zu politischen und geistigen Wurzeln Europas. Die europäische Identität hat ihre Grundlagen in der Tradition der griechisch-römischen Kultur, ebenso auch viele europäische Sprachen.
Hervorzuheben ist eine besondere Vernetzung von Themen aus der Antike mit Autoren und Texten aus dem christlich-religiösen Bereich der Spätantike.

[3] S. Zeitungsartikel von R. Könen in der SZ vom 2.3.2016 mit dem Titel „Man würde mich auch im alten Rom verstehen..“

[4] Wie das nun weitergehen wird hinsichtlich der SOGYA, ist mir mit dem heutigen Stand der Abfassung dieses Artikels noch unbekannt geblieben.

[5] Auch haben einige Artikel zu Griechisch in der Zeitschrift „Der Altsprachliche Unterricht“ Anregungen gegeben, die das Griechische betreffen. Auch in der Griechisch – Kommission am 31.03.2016 in Berlin war dies aufgrund der alarmierenden Situation im Saarland und in Brandenburg ein Thema.

[6]Liebe Eltern, die Zahl der Interessenten für das Fach Altgriechisch im sprachlichen Profil ab Klasse 8 ist zurückgegangen. Altgriechisch war und ist bekannterweise nie ein Massenfach und gehörte immer schon zu den „Orchideenfächern“. Aber es gilt, dass auch dieses Fach eine Bedeutung im Rahmen der Bildung und der Vorbereitung auf das Studium hat (vgl. Die Zeit vom 22.01.2015 und die FAZ vom 16.07.2015).

In diesem Sinne lade ich Sie ein, an einem Altgriechischkurs teilzunehmen und Sie so als Freunde für die Sprache zu gewinnen. Vielleicht können Sie als Eltern auf das Wahlverhalten Ihrer Kinder wirken, wenn Sie selbst mit der Sprache in Berührung gekommen sind. Für Sie bestehen keine Kosten. Der Kurs findet alle vierzehn Tage statt.

[7] Auch hier hat R. Könen in der SZ vom 8./9.10.2016 einen Artikel „Warum im Johanneum Eltern Altgriechisch lernen“ verfasst, der mit sehr guten Worten und auch dem Griechischen wohlwollend genau das Anliegen und auch die inhaltliche Konzeption wiedergibt. Dieser Artikel hat in der kleinen Stadt Hoyerswerda eine sehr große Resonanz hervorgerufen, da ich an vielen Stellen auf die Möglichkeit des Erlernens dieser Sprache angesprochen wurde.

[8] Edith Ehrensperger und David Suter: Heureka. Altgriechisch für Liebhaber, Biberstein 2003

[9] So haben wir im Dezember 2015 eine Exkursion mit Eltern dieser Lerngruppe und mit interessierten Latein- und Griechisch - Schülern in das Alte Museum in Berlin vorbereitet.

Im Dezember 2016 ist eine Exkursion ins Pergamonmuseum geplant.

[10] Mit Einbeziehung der neuesten Ausgaben der in Athen publizierten „Griechenlandzeitung“, die kurz und knapp über neuere Ausgrabungen und Hinweise auf die aktuelle Situation informiert, so z. B. auch das Thema „Olympia und die Olympischen Spiele“.

[11] Zu erwähnen ist hier der Eid des Hippokrates mit deutscher Übersetzung und im Additum um den Genfer Eid der Ärzte aus der Nachkriegszeit.

Berichte

Alle Wege führen uns nach Rom und in Rom...

...ob mit dem Bus, mit dem Flugzeug, per pedes oder mit der Metro... In der ersten Woche der Herbstferien 2017 sind die Latein- und Griechischschüler des Johanneums, an der Antike interessierte Eltern und Lehrer nach Rom gefahren, um dort den Spuren der altehrwürdigen Stadt und somit auch der [...]

Exkursion der Latein- und Griechischschüler nach Berlin

Es ist zu einer guten Tradition im Advent geworden, eine Exkursion der Latein- und Griechischschüler des Johanneums, zusammen mit Eltern und Lehrern, in ein Museum der Hauptstadt Berlin zu unternehmen. In diesem Jahr besuchten wir am 17. Dezember das Pergamon-Museum, um antike Architekturen zu [...]